Anan ben David

Simcha ben Moses stammte aus Luzk in Polen, war zu Kale in der Krim ansässig und verfasste hier 1767 das Werk „Orach Zadikim“, in dem er auch das Leben Anans ben David behandelt, der um 767 – 770 gegen die Rabbaniten und den Talmudismus die Sekte der Karäer, d.h. Anhänger der Schrift, mit sadduzäischen Anschauungen begründete:

R. Anan – er ruhe in Frieden –, der heilige und fromme Nassi, war der größte und ausgezeichnetste unter allen Weisen Israels, überaus bewandert in der Heiligen Schrift, in der mündlichen Überlieferung, nämlich in der Mischna und im Talmud und auch in aller Weisheit und Wissenschaft. Er war sehr fromm und sehr demütig, redlichen und geraden Sinnes, gottesfürchtig und das Böse vermeidend. Auch war er ein Fürst von der vornehmsten Herkunft und Abstammung, von den Nachkommen des Königs David – er ruhe in Frieden –, angesehen und groß in Israel, beliebt bei der Menge seiner Brüder; er förderte das Wohl des Gottesvolkes und redete zum Heile für alle Nachkommen Israels. Er wohnte aber in Babel, gehörte der Sekte der Gerechten (= Zadikim, gemeint Karäer) an und ward wegen seiner ausgezeichneten Weisheit, Frömmigkeit und Bescheidenheit von dem ganzen Hause Israel, nämlich von beiden Sekten, den Gerechten und den Pharisäern, zum Fürsten eingesetzt, d.h. nach ihrem damaligen Gebrauche zum Vorsitzenden des Gerichts und Exilarchen; denn wer diese beiden Ämter bekleidete, war, und zwar mit Bewilligung des mohammedanischen Herrschers, der damals über Babel regierte, gleichsam ein König über das ganze in der Verbannung lebende Israel.

Nachdem als R. Anan, der Nassi, mit Genehmigung des mohammedanischen Herrschers und Einwilligung von ganz Israel zum Vorsitzenden des Gerichts und Exilarchen eingesetzt worden war, legte er das Gewand des Eifers an und eiferte für Gott, den Herrn Israels, für seine vollkommene, wahrhafte, von der Sekte der Pharisäer schon seit vielen Jahren und Geschlechtern gekränkte Lehre. Er wollte dem alten Diadem neuen Glanz verleihen, begann öffentlich zu predigen, gegen die überlieferte Lehre, nämlich die Mischna, anzukämpfen, ihre Autorität zu leugnen und gänzlich zu beseitigen. Als die Gemeinde der Pharisäer solches sah und hörte, versammelten sich die verwünschten Bösewichte alle, erhoben sich gegen ihn und trachteten danach, ihn umzubringen. Da sie sich aber vor dem König fürchteten, ihn zu töten, verleumdeten sie ihn und gaben bei dem König an, er habe sich gegen das königliche Gesetz aufgelehnt und sei des Todes schuldig. Aber Gott hatte sein Herz wahrhaft befunden und ließ ihn Gunst und Gnade in den Augen des Königs erlangen, so dass dieser sich seiner erbarmte, ihn aus ihren Händen rettete, und so blieb er am Leben.

Als nun R. Anan, der Nassi, solches sah, dass die Gemeinde der Pharisäer seinen Rat nicht hören, seinen Befehl nicht annehmen und zur Wahrheit nicht zurückkehren wollte, verachtete er den Rang, verzichtete auf die Herrschaft und erbat sich vom König die Erlaubnis, nach der heiligen Stadt zu gehen, daselbst zu wohnen und ein Bethaus zu erbauen. Gott ließ ihn Gnade in den Augen des Königs finden, so dass dieser ihm seine Bitte gewährte. Alsbald machte sich R. Anan, der Nassi, auf, verließ sein Haus, gab sein Erbe und alles Gut auf, das er in Babel erworben hatte, nahm seine Kinder, Schüler und Genossen sowie alle seine Freunde und Anhänger mit sich, und sie zogen nach der heiligen Stadt Jerusalem und ließen sich dort nieder. Dort erbaute er das Bethaus, einen Tempel Gottes, ein kleines Heiligtum, das noch heutigen Tages in der Obhut unserer Brüder, der Karaiten, sich daselbst befindet, damit man darin weine und bete abends, morgens und mittags und während der drei Nachtwachen und das Bekenntnis unserer und unserer Voreltern Sünden und Vergehungen ablege. Damit erfüllt werde, was geschrieben ist: Über deine Mauern, Jerusalem, habe ich Wächter bestellt, den ganzen Tag und die ganze Nacht schweigen sie nicht, die Gottes gedenken.

Als nun der heilige R. Anan, der Nassi, sah, dass die Gemeinde der Pharisäer immer mehr zunahm und größer wurde, die Gemeinde der Gerechten hingegen abnahm und verfiel, da fürchtete er, es möchte in Zukunft die Lehre der Wahrheit gänzlich in Vergessenheit geraten und wohl gar nach vielen Jahren die Gemeinde der Gerechten zu der Sekte der Pharisäer übergehen. Darum ließ er an seine Schüler, Freunde und Anhänger, an die ganze Gemeinde der Gerechten den Befehl ergehen, dass sie sich gänzlich von der Gemeinde der Pharisäer fernhalten, trennen und absondern und stets gesondert, getrennt und geschieden bleiben sollten.

קראי = כינוי לכת הצדוקים בימי בית שני (מילון העברי המרכז)

לדברי הקראים היה לוח השנה של הצדוקים לוח שמשי (עמ' 124) ראשיתה של היממה היא בבוקר (עמ' 181) יורם ארדר: אבלי ציון הקראים ומגילות קומראן

nach den Worten der Karäer war der Kalender der Sadduzäer der Sonnenkalender (Seite 124) der Anfang des Tages ist am Morgen (Seite 181)

Im 9. und 10. Jahrhundert lag der Anteil der Karäer noch bei fast 40 Prozent aller Juden:

לפי הערכות של היסטוריונים, במאות התשיעית והעשירית קרוב ל-40 אחוז מהעם היהודי היו קראים:

https://he.wikipedia.org/wiki/יהדות_קראית

הערות שוליים 1.: Zion Zohar, Sephardic and Mizrahi Jewry: From the Golden Age of Spain to Modern Times, NYU Press, 2005, p.157

Als Gründer gilt Anan ben David: Er ging im 8. Jahrhundert von Babylon nach Jerusalem und baute dort die älteste Synagoge in der jüdischen Altstadt!

- akzeptieren nur die Schriftliche Torah und nicht die Mündliche

- haben ein anderes Gebetbuch und eine andere Pessach-Haggada

- Zwei Gebetszeiten: zur Zeit (der Opfer) der Morgendämmerung und der Abenddämmerung

- ziehen die Schuhe in der Synagoge aus - wie die Priester im Tempel

- keine Bänke in der Synagoge: Gebet im Stehen bzw. Verbeugungen

- Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen

- Kopfbedeckung nur beim Gebet und nur dort Mechitza (Trennung)

- Frauen dürfen singen

- während der Zeit ihrer Monatsblutung kommt die Frau nicht zur Synagoge

- als Mikwe wird auch die Dusche akzeptiert (= fließendes Wasser Mikwen wurden NICHT VOR der Hasmonäerzeit gefunden!)

- keine spezielle Kleiderordnung für Frauen wie Kopfbedeckung oder Rock

- Frauen sind nicht von der Erfüllung der zeitgebundenen Gebote befreit

- zünden keine Schabbatkerzen an (Dieses Gebot wurde erst im 10. Jahrhundert erfunden!)

- Schawuot fällt immer auf den Sonntag

- feiern nicht Chanukka (der Achtarmige Chanukkaleuchter widerspricht der biblischen Menorah!) und Lag ba Omer

- sie fasten nicht am 9. Aw, sondern am 7. und am 10. Aw - siehe 2. Könige 25, 8 und Jeremia 52, 12

- Zizit sind blau (aber nicht von der Purpurschnecke produziert, welche UNREIN ist! sondern synthetisch hergestellt)

- legen keine Tefilin

- Mesusa in Form der Gesetzestafeln, enthalten kein Pergament und werden nicht geküsst

- trennen nicht Milch und Fleisch, denn "Du sollst das Böcklein nicht in der Milch SEINER (= spezifischen!) Mutter kochen!"

- in Israel leben heute 40.000 Karaim

- insgesamt sind die Karaim heute weniger als ein Prozent des jüdischen Volkes

Der Karäer Simon Szyszman führt in seinem Werk "Das Karäertum: Lehre und Geschichte" die Karäer ganz eindeutig auf die Bnei Zadok zurück! Er schreibt auf Seite 52 von dem "gnadenlosen Kampf, den der Gaon Saadja al-Faijumi im 10. Jahrhundert gegen das Karäertum führte" und auf Seite 46: "die bekannten Worte des Gaon Saadja: Zu jener Zeit beschlossen Anan und mit ihm all jene Übeltäter, die die Überreste der Rotte des Zadok und des Boethus bildeten, heimlich eine Spaltung herbeizuführen ..." Fußnote 80 auf Seite 212: "Mose Nachman preist in seinem Sendschreiben an die französischen Rabbiner (um 1235) Maimonides, indem er seine Verdienste aufzählt: "Wer schlug die Sadduzäer, die uns verachteten? Wer überlieferte die Boethusäer den Siegern? Es ist die Tat des Rabbi (Maimonides), der mit Gottes Hilfe die Ritter (des Feindes) vertrieb und ihre Würdenträger vom Hofe des Königs von Ägypten entfernte. (Sadduzäer und Anhänger des Boethus wurden die Karäer von den Juden genannt.)"